WHO-Expertenkonferenz bewertet Glas- und Steinwollfasern neu:

Eine Einstufung als möglicherweise krebserzeugend ist nicht mehr gerechtfertigt

Die International Agency for Research on Cancer (IARC) (Internationale Krebsforschungsagentur) ist im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verantwortlich für die Bewertung von Stoffen hinsichtlich einer krebserzeugenden Wirkung. Die Bewertungen werden im Rahmen einer Expertenkonferenz vorgenommen. Das Expertengremium besteht aus unabhängigen Wissenschaftlern, die von der IARC nominiert werden und den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu dem jeweiligen Stoff, in erster Linie Daten zu epidemiologischen Untersuchungen und Tierversuchen, zusammenfasst. Die Ergebnisse werden in Monographien veröffentlicht. Im Juni 1987 wurden künstliche Mineralfasern bewertet. Die entsprechende Monographie erschien im Jahre 1988. Im Jahre 1997 erschien die Monographie zur Bewertung von Quarz, einigen silikatischen Fasern und Para - Aramidfasern.
Die IARC stuft die Stoffe in vier verschiedene Gruppen ein:

Gruppe 1

Der Stoff ist krebserzeugend für den Menschen.
The agent (mixture) is carcinogenic to humans.

Gruppe 2 A

Der Stoff ist wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen.
The agent (mixture) is probably carcinogenic to humans.

Gruppe 2 B

Der Stoff ist möglicherweise krebserzeugend für den Menschen.
The agent (mixture) is possibly carcinogenic to humans.

Gruppe 3

Der Stoff ist hinsichtlich der Karzinogenität für den Menschen nicht einstufbar.
The agent (mixture or exposure circumstance) is not classifiable as to its carcinogenicity to humans.

Gruppe 4

Der Stoff ist wahrscheinlich nicht krebserzeugend für den Menschen.
The agent (mixture) is probably not carcinogenic to humans.
Die Gruppen 1, 2 A und 2 B der IARC - Klassifikation entsprechen in etwa den Kategorien 1, 2 und 3 für krebserzeugende Stoffe der EU-Richtlinie 97/69/EG bzw. der Gefahrstoffverordnung. Die Zuordnung ist jedoch lediglich eine grobe Näherung, da die Kriterien für die Einstufung nach den IARC - Leitlinien und der EU-Richtlinie voneinander abweichen.
 
Im Jahre 1987 wurden künstliche Mineralfasern von der IARC wie folgt eingestuft:

IARC - Bewertung 1987:

Glaswolle 2 B
Textilglasfasern 3
Steinwolle 2 B
Schlackenwolle 2 B
Keramische Fasern 2 B
Basis dieser Einstufung waren vor allem Einspritzversuche an Ratten mit künstlichen Mineralfasern sowie die zu diesem Zeitpunkt vorliegenden epidemiologischen Untersuchungsergebnisse.
 
Zwischenzeitlich wurden weitere Studien zu künstlichen Mineralfasern, insbesondere epidemiologische Studien und Inhalationsversuche durchgeführt.
 
Die Gesamtbewertung der IARC - Expertenkonferenz führte im Oktober 2001 zu folgendem Ergebnis:

IARC -Bewertung 2001:

Glaswolle 3
Textilglasfasern 3
Steinwolle 3
Schlackenwolle 3
Keramische Fasern 2 B
Spezialglasfasern 2 B
Das Ergebnis wurde durch eine Pressemitteilung der IARC bekannt gegeben.
 
Der Originaltext ist unter http://monographs.iarc.fr abrufbar.
 
Sobald die Monographie zur IARC - Expertenkonferenz über künstliche Mineralfasern veröffentlicht ist, wird es möglich sein, die Daten, die zu einer Herabstufung von Glas- und Steinwollfasern geführt haben, im Einzelnen zu würdigen.
Dr. U. Draeger, Dt. Rockwool, F-W. Löffler, BG Keramik und Glas