Neubewertung des Krebsrisikos durch atembare künstliche Mineralfasern

Eine vom Monographs Programme der International Agency for Research on Cancer (IARC) (Internationale Krebsforschungsagentur) einberufene, aus 19 Experten aus 11 Ländern bestehende wissenschaftliche Arbeitsgruppe beschloss die Neubewertung des Krebsrisikos atembarer künstlicher Mineralfasern.
Künstliche Mineralfasern in Form von Wolle sind bei der Wärme- und Schallisolierung, sowie in anderen Produkten in Europa und Nordamerika weit verbreitet. Diese Produkte, einschließlich Glaswolle, Steinwolle und Schlackenwolle, werden seit Jahrzehnten verwendet und wurden umfassend untersucht, um zu ermitteln, ob Fasern, die bei der Herstellung, bei der Verwendung oder beim Entfernen dieser Produkte freigesetzt werden, bei Inhalation ein Krebsrisiko darstellen. Epidemiologische Studien, die im Laufe der 15 Jahre seit der letzten IARC - Monographs - Untersuchung dieser Fasern im Jahre 1988 veröffentlicht wurden, bieten keinerlei Nach- weise für ein erhöhtes Risiko, aufgrund beruflich bedingter Belastungen bei der Herstellung dieser Materialien an Lungen- krebs- oder Mesotheliom (Tumor an Brustfell, Herzbeutel oder Bauchfell) zu erkranken, und die Gesamtbewertung für ein generelles Krebsrisiko lautet "ungenügende Beweise für eine Einstufung als krebserzeugend (inadequate evidence)". Darüber hinaus wurden von der Industrie mit großem Aufwand neuere Materialien ent- wickelt, die ähnliche Isoliereigenschaften aufweisen wie die älteren Produkte, jedoch im Körpergewebe schneller abgebaut werden. Anlass für diese Bemühungen war die Tat- sache, dass Asbest, ein erwiesenermaßen krebserzeugender Stoff, der sowohl Mesotheliome als auch Lungenkrebs verursacht und jahrzehntelang als Isoliermaterial verwendet wurde, im Körpergewebe, in dem er abgelagert wurde, extrem langsam zerfällt bzw. abgebaut wird. Diese als hohe Biopersistenz bezeichnete Eigenschaft steht mit der starken krebserzeugenden Wirkung von Asbest in engem Zusammenhang. Einige der neuentwickelten Materialien wurden in jüngster Zeit auf ihre krebserzeugende Wirkung untersucht. Bei den meisten wurde festgestellt, dass sie nicht krebserzeugend sind oder dass sie bei Versuchtieren nur unter sehr extremen Expositionsbedingungen Tumore erzeugen. Die IARC - Expertengruppe gelangte zu dem Schluss, dass nur die hoch biopersistenten Materialien durch die IARC weiterhin als möglicherweise für den Menschen krebs- erzeugend eingestuft werden (Gruppe 2B). Hierzu gehören feuerfeste Keramikfasern, die in der Industrie als Isoliermaterial für Hochtemperaturumgebungen, wie z. B. Hochöfen verwendet werden, sowie bestimmte Arten von Spezialglaswolle, die nicht als Isoliermaterial verwendet werden. Im Gegensatz dazu werden die weiter verbreiteten glasigen Isolierwollen, wie Glaswolle, Stein- wolle und Schlackenwolle, hinsichtlich ihrer krebserzeugenden Wirkung für den Menschen als nicht einstufbar bewertet (Gruppe 3). Textilglasfasern, die hauptsächlich zur Verstärkung von Kunststoffen verwendet werden, werden ebenfalls hinsichtlich ihrer krebser- zeugenden Wirkung für den Menschen als nicht einstufbar bewertet.
 
Weitere Einzelheiten über die IARC - Bewertung finden Sie unter http://monographs.iarc.fr
 
unter "Agents most recently evaluated", oder fragen Sie per E-Mail an bei grosse@iarc.fr
 
Weitere Einzelheiten über derzeitige Forschungsprojekte der IARC zu künstlichen Mineralfasern erfahren Sie nach Anfrage per E-Mail an boffetta@iarc.fr
 
Informationen allgemeinerer Art erhalten Sie von Dr. Nicolas Gaudin, Leiter Kommunikation gaudin@iarc.fr